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Invasion der Smombies

Wildpark Köln Brück

Betritt der ahnungslose Wandernde an einem unschuldigen Sonntag das Waldgebiet in und um den Wildpark Köln Brück, so wundert er sich über die Invasion einer merkwürdigen Spezies, die stets vornübergebeugt und in beachtenswertem Schneckentempo die Wege entlang schleicht.

Hier kann ich helfen: Es handelt sich um die Gattung Homo pokémonus, eine degenerative Form des Homo erectus. Mitnichten ist es der gefürchtete Morbus Bechterew, der diese Menschlein, meist blass und auffallend über- oder untergewichtig, häufig rauchend, in diese vornübergebeugte Position zwingt. Es ist der Blick aufs Smartphone oder Tablet, der zur gekrümmten Zwangshaltung führt. Auf dem Display erscheint der ganze Wald noch einmal in vereinfachter Form: platt, grün, mit Wegen. Damit das nicht so langweilig ist, werden der eindimensionalen Walddarstellung witzige Comicfiguren, so genannte Pokémons, hinzugefügt, die es mithilfe eines Pokéballs zu fangen gilt. Ja, Pokémons – früher gab es die auf Karten.

Heute gehen erwachsene Menschen im Alter von 8 bis 80 mit ein, zwei oder auch vier Smartphones gleichzeitig durch den Wald und fangen virtuelle Monster für ihr Pokédeck. Ich möchte eigentlich nicht darüber sprechen. Der Fremdschämfaktor ist immens groß. Aber ich habe ein Anliegen. Vielmehr zwei. Oder auch drei.

Erstens: Bitte nicht im Wald rauchen! Es ist extrem trocken und im Wald herrscht Rauchverbot.

Zweitens: An das junge Paar mit den zwei Kindern, die stolz über Baumstämme balanciert sind. Folgende Szene:
Kind 1: „Guck doch mal, Papa!“ Antwort: „Ja, ganz toll!“ Den Blick pausenlos aufs Display gerichtet. Kind 2: „Ihr seid immer nur am Handy! Tut das doch jetzt mal weg!“ Echt jetzt? Kinder bitten Ihre Eltern, doch mal das Smartphone wegzustecken. Verkehrte Welt.

Mein Anliegen: Smartphone weg, wenn ihr mit euren Kindern unterwegs seid.

Drittens: An die junge Mutter, die ein Tablet auf dem Sonnendach des Kinderwagens befestigt hatte und parallel ihr Smartphones in der Hand hielt. (Zwei Displays=mehr Pokémons!) Das Kleinkind erfreute sich an den Wildschweinen. Die Mutter konnte sich nicht miterfreuen. Es gab Probleme. Der freche Pikachu ließ sich einfach nicht einfangen. Da war natürlich höchste Konzentration gefordert. Kind, Blickrichtung Wildschweine: „Oh, guck mal, die haben Babys.“ Mutter: „Mmmmh, süß.“ Blick auf Display 1. Tippt rum auf Display 2. Ein trauriger Anblick. Ich gerate in Versuchung, die Mutter zu schütteln, sie anzuschreien, dass Pokémons nicht wichtig sind, ja, dass es gar keine Pokémons gibt! Dass ihr Kind real ist, wirklich da, dass es sie braucht, ihre Aufmerksamkeit, ihre kostbare, vermutlich knapp bemessene Zeit … sorry, ich schweife ab.

Mein Anliegen in dieser Sache: Genießt eure Kinder mit allen Sinnen! Sie sind so schnell groß! Bald wollen sie nicht mehr mit euch in den Wald gehen. Lasst die mobilen Endgeräte zu Hause und erklärt euren Kindern die Welt, die Wildschweine, das Leben. Seid ein Vorbild und an der Seite eurer Kinder. Auf Augenhöhe, in Ohrennähe, in Blickkontakt, seid einfach da.

Was soll den aus diesen Kindern sonst werden?

9 Kommentare

  1. Im Wald im Wald im Wald da ist es schön da kann man soviele Bäume und Tiere sehen! Wer aufmerksam der Natur begegnet wird den Wald und seine Bewohner lieben! Es gibt soviele reale soziale Spiele! Man muss halt nur ein bisschen Phantasie haben und da können wir von den Kindern lernen die schaffen das ohne Anleitung!!!

    • Jaaaaa!

  2. Ich bin Pokémonspieler, aber ich stimme dem Artikel zu 100% zu (mal abgesehen von den fehlerhaften Bezeichnungen, aber das kann man einem Nicht-Spieler nicht vorwerfen). Wenn ich sehe, wie Kinder ihre Eltern bitten, das Gerät zur Seite zu tun, wird mir auch als Pokémonspieler ganz anders. Ich habe solche Szenen in der Community schon mehrfach erlebt. Erschreckend!

    • Danke!

  3. Hallo Tippsundknips,
    Schön das Sie selber Ihre polemische Meinung eingestehen.
    Ich würde behaupten, dass Sie leider keine eigene Erfahrunng haben, da Sie sonst genau wüssten was mit Gruppeninteraktionen gemeint ist. Neben den geschlossen Freundschaften der Spieler, lernen besonders Kinder viel von dieser Gemeinschaft, besonders im Sozialen Bereich. Durch die häufigen sozialen Interaktionen werden genau diese Kinder von den Bildschirmen im Kinderzimmer geholt. Darüber hinaus gibt es weitere positive Aspekte wie z.B. Die Weiterentwicklung der Orientierung, Offenheit und Toleranz gegenüber anderen Spielern jeglichen Alters und ethischen Hintergrundes uvm.
    ich würde mir persönlich eine offenere und objektivere Meinungsbildung der Generation wünschen, die sich offensichtlich von der „degenerierten Gesellschaft“ abzugrenzen versuchen.

    • Die Kinder (Alter 2 bis 12), die ich gesehen habe, hätten gerne, dass ihre Eltern ihnen beim Klettern und Balancieren zusehen. Oder sich mit ihnen gemeinsam die kleinen Frischlinge angucken. Oder das Eichhörnchen. Oder den riesigen Regenwurm. (Okay, der Regenwurm hat eine Chance, der ist unten auf dem Boden, also in Blickrichtung der Eltern.)

      Die Kinder sehnen sich nach Kommunikation und bekommen nur ein gemuffeltes „Ja, toll.“ ohne erkennbares Interesse und ohne, dass wirklich jemand hinsieht.

      „Durch die häufigen sozialen Interaktionen werden genau diese Kinder von den Bildschirmen im Kinderzimmer geholt.“ Genau! Und zwar vor den Smartphone-Bildschirm im Wald. Guter Witz!

  4. Sehr gut geschrieben 👍🙏💪😊

  5. Leider ein schwacher Kommentar der Autorin
    – neben den auftretenden fachlichen Fehlern im Artikel (Pokedeck, Plural von Pokémon = Pokémon und nicht Pokemons uvm.) die man innerhalb von Minuten hätte recherchieren können, muss man hier die einseitige Sicht der Verfasserin betonen und die fehlende Informationsgrundlage. Da es sich hier um keinen sachlichen Bericht handelt, sondern um einen Kommentar handelt, muss man die Meinung der Autorin zumindest respektieren aber auch in Frage stellen, da hier nur negative Aspekte von Pokémon Go dargestellt werden. Jegliche positiven Aspekte ( das Spielen außerhalb der eigenen vier Wänden, Gruppeninteraktionen jeglicher Altersklassen und Schichten) fehlen in diesem Beitrag völlig.
    Fachlich einfach nicht korrekt und die eig. richtig Dargestellten Problematiken des Spiels nur von einer einseitigen Sicht dargestellt. Auch die Lösungsansätze sind höchstens polemisch.
    Guter Journalismus sieht anders aus.

    • Hallo Timo, die Autorin erhebt schändlicherweise keinerlei Anspruch auf eine wissenschaftliche Recherche zum Thema Pokémon Go und schon gar nicht zu deren Plural. Sorry, aber allein darüber muss ich schon wieder sehr lachen.

      Dass Menschen ihre Häuser und Wohnungen verlassen und einen echten Wald betreten, mag ein positiver Aspekt sein. Frische Luft schadet nicht. Viel mehr bekommen die Spieler aber nicht mit, das kann ich aus eigener Erfahrung berichten. Gruppeninteraktionen … meinst du damit das Herumstehen im Kreis, jeder starrt auf sein Smartphone?

      Im Prinzip finde ich die Sache nicht sooo schlimm. Wer alleine, ohne Kinder durch dem Wald smombiet, darf das. Aber wenn durch diese Spielerei Kinder nur noch ein lästiger Mitläufer sind, der Sonntagsspaziergang im Wald nur stattfindet, weil dabei noch ein paar Pokémon (jaaa, ich BIN lernfähig) herausspringen, dann ist das ein Symbolbild für eine degenerierte Gesellschaft. Just my polemische Meinung.

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