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DAS LEBEN IST KEIN PONYKARUSSELL

Let me hear with your ears

In dieser Stadt hier – Bergisch Gladbach – gab es kürzlich Aufruhr. Der Bürgermeister hatte verkündet, es werde nächstes Jahr kein Ponykarussell auf der Laurentiuskirmes mehr geben. Was ist ein Ponykarussell? Es ist nicht etwa ein Fahrgeschäft, das auch für Ponys geeignet ist, im Gegenteil: Die Ponys sind selbst das Fahrgeschäft.

Die Ponys gehen, eng ausgebunden, stundenlang im Kreis und dürfen dabei die wunderbare Rumsbumsmusik des benachbarten Fahrgeschäftes ungefiltert genießen. Das macht Bock und Laune, da trägt sich auch das fetteste Kind ganz mühelos. Alle drei Minuten wird gewechselt – nein, nicht die Ponys, die Kinder. Runter vom Pony, rauf aufs Pony, links herum, den ganzen Tag und den nächsten Tag und den übernächsten und den darauf auch noch.

Insofern eine grandiose Entscheidung des Bürgermeisters, obwohl er parteibuchtechnisch nicht gerade zu meinen Favoriten gehört. Aber: Ein blindes Huhn …  So weit so gut, es gab Hoffnung, dass dieser ganze Quatsch demnächst der Vergangenheit angehört, die Ponys auf einen Gnadenhof kommen, wo sie den Rest ihres Lebens mal rechts rum laufen dürfen.

Jetzt aber kommen die Retter des deutschen Mittelstandes, die Verfechter der Schausteller-Romantik und die Polierer der deutschen Kinderaugen ins Spiel: Der JUC=Junge-Unternehmer-Club Bergisch Gladbach, allen voran Herr U., seines Zeichen auch Vorsitzender des Schaustellerverbandes und gar nicht mehr sooo jung, dass man sein Tun etwa mit jugendlichem Leichtsinn entschuldigen könnte.

Der JUC verkündete, Ponyreiten sei supergut! Der Kreisveterinär habe alles für bestens befunden – bis auf Kleinigkeiten (die nicht näher betitelt wurden). Ponyreiten sei wichtig, erstens für den Ponykarussellbetreiber und zweitens gerade und besonders auf einer Kirmes, damit die armen Kinder aus den sozial schwachen Familien auch mal Kontakt zu Tieren hätten. Wer hier fehlende Logik bemängelt, dem sei gesagt: In dieser Stadt, rechts vom Rhein, herrschen andere Gesetze.

Als Gegenveranstaltung zu den Grünen, die eine Mahnwache für die Ponys abhielten und aufklärende Flyer verteilten, schmissen die jungen Unternehmer sehr engagiert Freifahrtscheine für das Ponykarussell unters Volk. Wo es was umsonst gibt, das weiß jeder, wird zugegriffen. Die Kinderaugen glänzten, die Ponyaugen liefen halbgeschlossen ihre Runden. Die Ponyohren wurden dauerbeschallt. Wem diese abartige Szenerie nicht das Herz zerrissen hat, der hat keins. Wer nur vier Minuten dem öden Gekreise zugesehen und gehört hat, der weiß jetzt:

  • Tiere gehören nicht auf eine Kirmes.
  • Tiere sind keine Volksbelustigung.
  • Pferdeohren sind nicht für Kirmesbeschallung geeignet.
  • Ponys sind nicht geeignet, 6 Stunden linksrum im Kreis zu laufen.
  • Ganz einfach.

Um Kindern Kontakt zu Tieren zu ermöglichen, gibt es keinen schlechteren Ort als eine Kirmes – außer vielleicht den Schlachthof. Kinder aus sozial schwachen Familien sollten die wahnsinnig viele Kohle, die sie auf der Kirmes verbraten, sparen und in einen Besuch im Wald (kostenlos), in einem Reitstall, auf einem Kinderbauernhof investieren.

Lieber JUC!
Stellt euch an einen Weidezaun, streichelt das weicheste, was es auf der Welt gibt (Pferdenase!), lasst euch mit warmem Pferdeatem anpusten und versucht mal mit diesen Ohren zu hören. Vielleicht versteht ihr dann, warum die Kirmes kein so geeigneter Ort für Ponys ist.

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4 Kommentare

  1. Vorgestern habe ich noch ein Pferd kennengelernt, daß mit Beistellpferd auf der Wiese rumlaufen durfte, das war wieder ein wunderschönes Erlebniss. Zu spüren, wie gut es dem Tier geht, ist ein Geschenk. Bei allem, was ich mit Kirmes oder Zirkus und Tieren mitbekomme, läuft es mir kalt den Rücken runter. Danke, danke, danke für´s publik machen : )))

  2. Besser kann man es nicht beschreiben und außerdem werden diese „Juc “ von mir, meiner Familie und vielen Freunden und Bekannten boykottiert.

  3. Endlich eine deutliche Stimme gegen diese verkitschte, verlogene Kirmesromantik mit lebendem Fahrgeschäft. Zeit für neue Ideen für Schausteller. Ponys auf die Wiese, Kinder auch.

  4. Das hast Du großartig beschrieben und geschrieben!

    Das unterzeichne ich sofort!

    Lieben Gruß

    Steffi Atze

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